Freiheit für den Geist

Am Anfang verlangt immer jemand nach Freiheit. Der Freiheit, politisch aktiv zu sein. Ein Artikel. Ein Foto. Jemand nimmt sich heraus, auszudrücken, was er denkt, sieht, fühlt. Dann folgt die Gefahr. Todesdrohungen. Verhaftungen. Schläge, Folter. Meist weiß es niemand. Merkt es keiner.

Unsere Gäste in 2017:

NN – Wissenschaftler aus der Türkei: Der promovierte Wissenschaftler hat die Petition türkischer Akademiker „Für den Frieden“ unterzeichnet und wurde daraufhin entlassen. Wie im Fall vieler Universitätsangehörigen wurde auch gegen ihn ein Gerichtsverfahren wegen „Propaganda für eine Terrororganisation“ eröffnet.

Nur Nobi Dulal Weil der Autor in seiner Heimat jederzeit Gefahr läuft, von einer der radikal-islamischen Bewegungen ermordet zu werden, musste die Familie Dulal immer wieder den Wohnort wechseln. Als Blogger, Autor und Filmemacher setzt sich Dulal seit Jahren für Meinungs – und Religionsfreiheit und Frauenrechte in verschiedenen Blogs wie z.B. “Online Activist Forum” oder Itishon ein. 2013 veröffentlichte die Terrorgruppe Hefazat die Namen von 84 „islamfeindlichen“ Bloggern, unter ihnen auch Dulal. Bisher wurden acht dieser Blogger ermordet. Darüber hinaus riskiert er auf der Grundlage von §57 “Information and Communication Technology Act” des bengalischen Strafgesetzbuches wegen seiner Staats-und Religionskritik bis zu 14 Jahren Haft.

Aleksei Bobrovnikov Mit seiner Recherche hat er sich mächtige Feinde. Um den Schmuggel aus dem Donbass mit Waffen, Tabak, Treibstoff, Hilfsgütern, Gold und ande­rem nach Russland und Ukraine zu unterbinden, rief Kiew eine spezielle Fahndertruppe ins Le­ben. Der Chef und einige Mitglieder dieser Einheit, aber auch diverse Strippenzieher unter den Schmugglern und ihren politischen Hintermännern kamen seitdem ums Leben. Die Hintergründe hat Aleksei Bobrovnikov zusammen mit in London arbeitenden Journalisten und einer russischen Kollegin recher­chiert. Bobrovnikov vermutet, dass Angehörige der an der Grenze zum Donbass stationierten uk­rainischen Einheiten in die Schmuggelgeschäfte, aber auch in viele Morde verwickelt sind. Mehrfach wurde er, sogar vor laufender Kamera bedroht und vor einem Mordplan des ukrainischen Militärge­heimdienstes gewarnt.

Humayro Bakhtiyar Humayro Bakhtiyar (29 J.) hat sich in ihrer Heimat zunächst als Parlamentsreporterin bei Radio Imruz und seit 2014 mit ihrer Berichterstattung über politische und menschenrechtliche Themen für die Mediengruppe Asia Plus einen Namen gemacht. Besondere Beachtung fanden ihre Berichte über eine Arbeitsgruppe zur Abschaffung der Todesstrafe und deren Arbeit über Menschenrechtsverstöße des tadschikischen Re­gimes.

Für Ihre Recherchen zum Thema „Radikalismus und Extremismus“ wurde sie in den Jahren 2012, 2013 und 2015 vom „Institute for War and Peace Reporting“ ausgezeichnet. Diese und andere Veröffentlichungen brachten Humayro Bakhtiyar ins Visier des tadschikischen Geheimdienstes.

Ines Lydie Gakiza. Bis Mitte 2015 arbeitete sie als politische Redakteurin bei dem Oppositionssender „Radio Publique Africaine“ (RPA). Mit ihren Recherchen über die von der burundischen Regierung zu verantwortenden Menschenrechtsverletzungen, aber auch mit ihren Reportagen über die politischen und sozialen Zustände in den Nachbarländern hatte sie sich einen Namen als ebenso kritische wie mutige Journalistin gemacht.Der wachsenden Bedrohung im eigenen Land musste sich Frau Gakiza schließlich durch die Flucht ins benachbarte Ruanda entziehen, wo sie zusammen mit Kollegen ein Online-Radio und ein Internet-Nachrichtenmagazin gründete.

Ali Anouzla, Journalist und Verleger aus Marokko, hat sich in Marokko Feinde geschaffen, weil er, allen Drohungen zum Trotz, immer wieder über politische und soziale Missstände in seiner Heimat berichtete. Als Reaktion auf seinen unermüdlichen Einsatz für demokratische Reformen und die Einhaltung der Menschenrechte erhielt der Journalist immer wieder auch Morddrohungen.

Über die Jahre hinweg hat Ali Anouzla in Marokko mehrere unabhängige Tages- und Wochenzeitungen gegründet, darunter „Al Jarida al Uchra“ und „Al Jarida al Ula“. Die von ihm gegründete Nachrichten-Plattform „Lakome.com“ und „lacome2.com“ wurden während des „Arabischen Frühlings“ zu einer wichtigen Informationsquelle

Georgi Vanyan, Friedensaktivist, Film –und Theaterregisseur aus Armenien Immer wieder kommt es in der Region von Tekali zu Grenzzusammenstössen zwischen Aserbaidschan und Armenien. Der Film- und Theaterregisseur Georgi Vanyan hat deshalb Tekali zu einem überregionalen Friedens- und Mediationszentrum ausgebaut. Regelmäßig finden hier Veranstaltungen mit Künstlern, Wissenschaftlern und Journalisten zu alternativen Lösungsstrategien der Konflikte Südkaukasiens statt. Und ebenso werden jedes Jahr Georgi Vanyan und die Beteiligten bedroht, angegriffen und eingeschüchtert.

Ehemalige Gäste in 2015, 2014 und 2013

Ananya Azad, Blogger und Autor aus Bangladesch ist ein bekannter Blogger, der sich für demokratische Reformen, gegen Intoleranz und religiösen Fundamentalismus wehrt. Deswegen steht er auf einer Todesliste islamistischer Extremisten in seinem Land. Seit Monaten ging er nicht mehr zur Universität – aus Angst vor einem tödlichen Überfall. Trotzdem ist er politisch aktiv geblieben.

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Visar Duriqi, Journalist aus Kosovo. Seit August 2014 erhält Visar Duriqi Morddrohungen. Er gilt als Experte für islamistische Gruppierungen im jüngsten der Balkanstaaten und konzentriert sich in seinen Recherchen neben dem organisierten Verbrechen hauptsächlich auf die Rekrutierung junger muslimischer Kosovaren für den bewaffneten Kampf in Syrien und dem Irak.

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Unsere ehemalige Stipendiatin Sihem Bensedrine –Herausgeberin der online-Zeitung Kalima und Gründerin des oppositionellen Radios Kalima ist heute „Präsidentin der Wahrheitskommission in Tunesien“.
Pressemitteilung

Salah Zater, TV-Journalist aus Libyen Salah Zater (28 Jahre) arbeitete von 2010 bis 2014 als Reporter für die privaten libyschen Fernsehsen­der Al-Assema TV und AL-Nabaa. Wegen seiner Berichterstattung über Kinderar­beit, sexuellen Miss­brauch und Drogen- und Waffenhan­del sowie Korruption und Menschen­rechtsverletzungen all­gemein geriet er gleichermaßen in den Fokus von Regierungsvertretern und Milizen. Für seine Reportagen über Entführungen, über Folter und Er­mor­dung von Häftlingen in libyschen Gefängnissen erhielt er regelmäßig Morddrohungen.
Libyscher Journalist Salah Zater findet Zuflucht in Hamburg (Hamburger Abendblatt 02.02.2015)

Kamal Khan, Pakistan arbeitete seit dem Jahr 2008 als regionaler Koordinator der pakistanischen Menschenrechtskommission (HRPC) in der Provinz Turbat Balochistan, Er geriet ins Visier der Taliban, weil er mit Unterstützung der Internationalen Kommission der Juristen (ICJ) zahllose Menschenrechtsverletzungen der Islamisten, aber auch Angriffe der “Koranschüler” auf Bildungseinrichtungen, Angehörige religiöser oder ethnischer Minderheiten sowie Menschenrechtsverteidiger und Journalisten dokumentiert hatte

Gewinnerin des Leipziger Medienpreises 2014
Pressemitteilung

Farida Nekzad arbeitete zuletzt in der unabhängigen afghanischen Nachrichtenagenturen “Wakht” (ZEIT) und widmete sich besonders der Ausbildung junger Jour­nalistinnen. Mit dem bevorstehenden Abzug der ISAF-Truppen und der Verantwortungsübertragung an die af­ghanischen Sicherheitskräfte befürchtet Farida Nekzad das Wiedererstarken der militanten Taliban. Eines der größten Risiken sieht sie in den fehlenden Garantien für die Sicherheit der Frauen: In den 90er Jahren schränkten die Taliban vor allem die Rechte der Frauen drastisch ein.Interview: Die Situation von Journalisten in Afghanistan

Asif Mohiuddin, Bangladesh wurde am 3. April 2013 überfallen und mit 53 Messerstichen verletzt. Er setzt sich für die Rechte von Frauen und Minderheiten in Bangladesch ein, vor allem aber auch für das Recht des Individuums, keiner Religion angehören zu müssen. Deshalb verklagte die Justiz von Bangladesch ihn wegen Blasphemie und Rufschädigung der Regierung. Das Verfahren ist anhängig. Asif Mohiuddin beruft sich vor Gericht auf sein Recht der freien Meinungsäußerung. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm mindestens sieben Jahre Haft. Pressemitteilung Asif Mohiuddin

Donny Reyes, Honduras ist Koordinator der Vereinigung LGBT Arcoiris (Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender Rainbow). Er wurde wiederholt bedroht und angegriffen. „Historisch waren wir immer marginalisiert und uns ist Gewalt angetan worden. Der Staat verfolgt eine Politik der „sozialen Säuberung“. Gemeinsam mit einer hier herrschenden Kultur der Frauenfeindlichkeit, des Patriachats, des Machismo und der Homophobie ergibt das einen tödliche Mischung, die das Leben von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans in diesem Land gefährdet“ (aus LN, 17.2.14) Pressemitteilung

Tongam Rina, Indien
Die investigative Journalistin Tongam Rina wurde am 15. Juni 2012 vor der Redaktion der nordindischen Zeitung „Arunachal Times“ durch mehrere Schüsse an Wirbelsäule und Unterleib lebensgefährlich verletzt. Sie hat sich mit unbequemen Recherchen über Frauenrechte, Korruption sowie politische und Umweltskandale einen Namen gemacht.

Gewinnerin des Leipziger Medienpreis 2013
Presseinformation_Leipziger-Medienpreisträger-2013

Eddson Chakuma

Rosa Yassin Hassan, Syrien
Die syrische Schriftstellerin und Frauenaktivistin wird in ihrer Heimat für ihre literarischen Texte und für ihr Engagement für Menschenrechte bedroht. Die Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichte auszugsweise aus ihrem Blog „Tagebuch der syrischen Revolution“ zum Alltag der Menschen im Bürgerkrieg, über Angst und Tod. Ihr Buch“ Wächter der Lüfte“ ist auf Deutsch erhältlich.

Ana Lilia Pérez, Mexiko
„Zum ersten Mal ohne Schußweste schlafen gehen! Was für ein Gefühl der Freiheit!“Gewinnerin des Leipziger Medienpreises 2012

Maria Plieva, Süd-Ossetien, Südkaukasus
Die Journalistin, Juristin und Menschenrechtlerin
ist vor allem als stellvertretende Vorsitzende des Georgisch-Ossetischen Zivilforums in das Visier der Regierung Südossetiens geraten. Sie wurde mehrfach angegriffen, verhaftet und bedroht, weil sie im Ausland Gesprächskreise mit georgischen und ossetischen Journalisten und Menschenrechts-anwälten organisierte, die der Regierung und ihren russischen Beratern unliebsam sind (s. ihren Blog: www.roks-alana.livejournal.com.)

N.N., Mittlerer Osten